Freitag, 22 März 2019 08:42

Die Woche der Entscheidung – Fehrbellin kann den Titel holen

Die Fußballbundesliga befindet sich in der Länderspielpause. Doch kein Grund für Langeweile! Denn in einer anderen Sportart mit rundem Spielgerät fällt die Entscheidung um die Deutsche Meisterschaft an diesem Wochenende.

 

Berechtigte Hoffnungen machen sich noch die Kegelspezialisten des SV 90 Fehrbellin, die begehrte Trophäe zum zweiten Mal nach 2010 nach Brandenburg zu holen. Zwischenzeitlich konnte der Konkurrent von der SG ETV/ Phönix Kiel den Pott acht Mal nacheinander in die Höhe strecken – was für eine beeindruckende Serie.

Doch damit soll nun Schluss sein. „Im letzten Jahr waren wir bereits ganz knapp dran“, erinnert sich Sebastian Krause an die Vorsaison, als am letzten Spieltag acht Kegel zu wenig umgeworfen wurden. „Diesmal wollen wir es besser machen. Wir haben es wieder in der eigenen Hand, doch im Gegensatz zum Vorjahr brauchen wir nur vier Punkte.“

Gespielt werden zwei Spiele an diesem entscheidenden Wochenende. Am Samstag tritt der SV 90 Fehrbellin bei der Kegelabteilung von Hertha BSC Berlin an. Das Spiel wird auf der altehrwürdigen Anlage am Betriebsbahnhof Schöneweide stattfinden. Die ersten Kugeln rollen ab 13 Uhr.

Sonntag geht es dann noch etwas weiter Richtung Osten. Nur 3,2 km Luftlinie entfernt steigt das Saisonfinale an der Alten Försterei. Hinter dem Unionlokal „Abseitsfalle“ befindet sich eine 16-Kegelbahnen-Anlage, auf der der SV 90 gegen Union Oberschöneweide bestehen muss. Hier geht es um 10 Uhr los.

 

Das Team

Im Aufgebot des im Ruppiner Land ansässigen Teams stehen mit Alexander Wolski und Benjamin Münchow zwei Wahlberliner, die in Fehrbellin groß geworden sind. Kapitän Dirk Sperling und Daniel Neumann zogen zudem erst kürzlich aus der Bundeshauptstadt in die brandenburgische Landeshauptstadt. Etwas idyllischer wohnen Dietmar Stoof (Werder) und Jonathan Jaeger (Glindow). Der Siebte im Bunde ist der in Königs Wusterhausen sesshafte Sebastian Krause.

Mit einem Altersdurchschnitt von 33,3 Jahren liegt das Septett im unteren Drittel der Liga. Dennoch kann man viel Erfahrung aufbieten. Neben Dietmar Stoof, der mit 444 Spielen die meisten Bundesliga-Einsätze vorweisen kann, haben Daniel Neumann (360) und Alexander Wolski (300) bereits die 300er-Marke geknackt. Dirk Sperling (293) und Sebastian Krause (284) liegen knapp dahinter. Auch Benjamin Münchow ist mit 175 Spielen schon fast ein alter Hase. Jonathan Jaeger, der seine erste Bundesliga-Saison spielt, kann immerhin auf 15 Einsätze zurückblicken. Unvergessen ist sein Auftritt in Kiel, als der Newcomer einen wichtigen Beitrag zum Punktgewinn leistete, ohne den die 90er gar nicht in dieser aussichtsreichen Lage wären.

 

Rechenspiele

Wie bereits eingangs erwähnt, liegt der SV 90 auf Platz eins der Tabelle (44 Punkte). Titelverteidiger Kiel (42) folgt mit zwei Punkten Rückstand und muss zu Hause gegen Aufsteiger Bergedorf und Rekordmeister Hannover ran. Das letztgenannte Team wiederum liegt mit 41 Punkten auf Rang drei.

Klar ist: mit zwei Siegen, also sechs Punkten, wären die 90er Deutscher Meister. Holt man in Berlin vier oder drei Punkte, hängt alles von den Spielausgängen in Kiel ab. Dann könnte man mit Kiel punktgleich sein und die Einzelwertungspunkte würden die Entscheidung bringen.

Der Seriensieger aus dem hohen Norden kann erneut feiern, wenn man beide Heimpartien ohne Punktverlust gewinnt und die 90er nicht mehr als drei Punkte holen. Sollten sich die Kieler einen Punktverlust leisten, darf Fehrbellin nur zwei Zähler im Gepäck haben.

Hannover könnte zum 15. Mal den Pott nach Niedersachsen holen, wenn es in Oldenburg und Kiel sechs Punkte holt und die Rhinstädter nur zwei Punkte erkämpfen.

Die 90er haben also als einziges Team alles selbst in der Hand. Im letzten Jahr gewann Fehrbellin bei beiden Hauptstadtclubs den Zusatzpunkt. Bei der Hertha war man zudem nah am Dreier dran. Nur dank einer Topleistung gewannen die Blau-Weißen das Spiel.

 

Ein Blick auf die bei Punktgleichheit entscheidenden Einzelwertungspunkte (EWP) zeigt, dass Fehrbellin bei 905:655 steht, während Kiel ein Verhältnis von 850:710 vorweisen kann. Legen wir zu Grunde, dass Kiel an beiden Tagen das Optimum, also 57:21, herausholt, kommt das Team auf 964:752 EWP. Um dann auf die gleiche Punktzahl zu kommen benötigt der SV 90 vier Zähler, also an beiden Tagen mindestens den Zusatzpunkt. Den gibt es ab 32 EWP für das Gästeteam. Man hätte also mindestens 64 EWP eingestrichen, damit es überhaupt zu der Situation kommt, dass die EWP wichtig werden. Damit stünde das Ruppiner Team bei 969 EWP – Kiel kommt aber maximal auf 964 EWP. Somit ist klar: Holt der SV 90 Fehrbellin die nötigen vier Punkte, ist man nicht mehr einzuholen.

Angesichts der Tabellenkonstellation wird es voraussichtlich erst am letzten Spieltag zur Entscheidung kommen. Wahrscheinlich ist sogar, dass Kiel und Fehrbellin mit der gleichen Punktzahl in das letzte Spiel starten. Sowohl die Kegelszene als auch der neutrale Betrachter können sich auf einen nervenaufreibenden Kegelkrimi freuen.

 

Informationen für Schlachtenbummler:

Sa., 23.03.2019, 13:00 – 15:30 Uhr

Hertha BSC Berlin – SV 90 Fehrbellin

Kegelcenter Lok Schöneweide, Adlergestell 103, 12439 Berlin

 

So., 24.03.2019, 10:00 – 12:30 Uhr

SG Union Oberschöneweide – SV 90 Fehrbellin

Kegelsportzentrum Hämmerlingstraße, Hämmerlingstraße 80-88, 12555 Berlin

 

Im Anschluss an das Sonntagsspiel findet die Ehrung durch einen Vertreter des Deutschen Bohlekegler-Verbandes (DBKV) statt.